Dienstag, 18. Oktober 2011

Nichts ist so, wie es scheint - City Island

Strahlendes Sonntagswetter lädt ein zu einem neuen Streifzug durch New York. Wohin? Es gibt so viel zu sehen! Beim Blick auf die U-Bahn-Karte und ihre Endstationen sehe ich City Island. Eine kleine Insel, die zum Stadtteil Bronx gehört, hinter dem Pelham Bay Park. Dort ist die Endstation der Linie 6. (Ich fahre immer gerne bis zum Ende und bin gespannt auf die Dinge, die dahinter liegen.) Umsteigen in den Bus, der von einem bis zum anderen Ende der Insel fährt - also rund 3 km und wieder Retour.
Nach einer knappen Stunde Subway bin ich da und steige in den Bus. Den Busfahrer bitte ich, mich dort abzusetzen, wo es zum Strand geht. Nach nur zwei Station hält er an einem riesigen, zweispurigen und vielbefahrenem Kreisverkehr, rundherum Grün, und deutet wage in Richtung dritte Ausfahrt. Ich höre das Wort "Beach" und steige aus.

Ok! Kein Übergang, kein Zebrastreifen, Leitplanken  - hier soll man kein Fußgänger sein!


Irgendwie komme ich auf die andere Seite, sehe einen kleinen Trampelpfad in den Wald, der in die angezeigte Richtung führt und denke, dass es doch schöner sei, direkt durch den Wald zu gehen statt entlang der stark befahrenen Straße.



Nach vielleicht 15 Minuten komme ich an eine sumpfige Stelle mit toten Bäumen - weit und breit kein Beach. Statt dessen stoße ich auf Müllcontainer.
DAS ist dann der Moment, in dem ich es bereue, nicht doch an der Strasse geblieben zu sein. Ich kehre um.

An der Strasse kommen mir haufenweise Menschen sowohl zu Fuß(!) als auch im Auto entgegen (keiner geht in meine Richtung!) Die Polizeit regelt den Verkehr - es sieht ein wenig so aus, als hätte der MSV (oder Schalke oder BVB oder wer auch immer) gespielt. Ich frage nach, die Richtung stimmt und ich soll nach vielleicht 10 Minuten den Strand erreichen. Es werden dann doch eher 20 Minuten und ich (!) werde nach dem Weg zum Bus gefragt. Ein Schild: Welcome to Orchard Beach! Park- und Parkplatzlandschaft, viele Menschen, die offensichtlich zu einer Veranstaltung hier sind. Ich komme rechtzeitig zum Ende des "Breast Cancer Walk".
Am Strand finde ich die letzten Reste eines Riesenfestes - noch beschallt mit Michael Jackson Songs und Hip-Hop-Gedöhne. Und der Strand: Super!




Allerdings stellt sich heraus, dass ich noch gar nicht auf City Island bin. Das merke ich erst, als ich eine kleine Brücke überquere, auf der man mich auf City Island Willkommen heißt.


Und dahinter, dahinter war ich dann nicht mehr in New York, sondern in Connecticut oder Massachusetts. Baumbestandene Straßen mit kleinen Häusern, Vorgärten, Holzzäune, unglaubliche aufblasbare Halloweendekorationen, Privatstrände, spielende Kinder auf den Straßen; sehr beschaulich.

 






Hier also ist die Maf(f)ia begraben?


Das kleine Museum im Erdgeschoss der ehemaligen Schule sammelt alles, was mit der Insel zu tun hat. Der Rest des Gebäudes sind Apartments.
Besondere Tradition hat auf der Insel der Bootsbau. Die Empfangsdame des Museums berichtet stolz von den mindestens sechs Segelbooten, die den America's Cup gewonnen haben und natürlich hier gebaut wurden (und nebenbei von ihrer Schiffstour von Amsterdam nach Budapest).



Das (Süd-)Ende der Insel ist dann leider nicht mehr so beschaulich: Zwei Fast-Food-Restaurants und ein Parkplatz bilden die Spitze. Und bei schönem klaren Wetter sieht man auch ohne Fernglas bis Manhattan.

 

Auf dem Rückweg bin ich dann noch ein wenig durch den Pelham Bay Park spaziert. Davon später mehr (auch den anderen Parks - und von diesem heutigen, wunderbaren Tag im Central Park und den zwei Stunden, in denen ich einfach nur in der Sonne saß! - Neidfaktor: Hoch?!)


Kleine Nebenschauplätze:

Wim Wenders - und ich!
Im Rahmen des New York Filmfestival lief "Pina" am letzten Samstag im Lincoln Center - in Anwesenheit des Meisters. Der 3D Film hat auch die New Yorker begeistert, stehende Ovationen! Im Anschluß dann noch eine Gesprächsrunde mit Herrn Wenders (dessen Englisch nur unwesentlich besser ist als meins!) Und dann, im Foyer, konnte ich Herrn Wenders sogar persönlich sagen, dass ich "Pina" wunderbar finde. Hat er sich gefreut, dankte artig - und wandte sich an den nächsten Gratulanten.

Vatertraum
Ein chinesischer Mann kommt häufig morgens mit seinem vielleicht einfährigen Sohn oder Enkel auf unseren Sportplatz. Letztens hatten sie ein ferngesteuertes Spielzeugauto dabei. Über mehrere Tage hinweg konnten wir beobachten, warum das doch eher ein Spielzeug für den Vater (oder Opa) ist.

Deutsche Begnung
Der Typ, der das Nummernschild "3Liter" an seinem schwarzen BMW und an sich ein T-Shirt mit Signatur von Rennfahrer Michael Schumacher angebracht hat und mir sehr gerne seine Auspuffanlage präsentieren möchte! (Und ich meine wirklich die Doppelrohr-Auspuffanlage des Wagens - ehe es zu falschen Interpretationen kommt)

Nichts ist so, wie es scheint!
Beim Tai-Chi bemühe ich immer alle Bewegungen von Linda oder Li nachzuahmen; natürlich immer einen Bruchteil später als die anderen und manchmal völlig unkoordiniert mit Armen oder Beinen herumwedelnd. Völlig aus dem Takt kam ich, als ich Li's Bewegung zu spät als Blick auf ihre Armbanduhr erkannte.

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