Es war ein ausgesprochen schönes Wochenende mit ausgesprochen schönem Sommerwetter: Fast 30° und strahlend blauer Himmel. Was macht an einem solchen Sonntag der/die New Yorker, der/die kein Haus in den Hamptons hat und kein Boot? Er/sie geht in den Central Park - genauso wie ungefähr alle Touristen. Da war es so voll, wie ich es eigentlich bisher nur aus Chinatown kenne.
So wie am Sonntag stelle ich mir den Park im Hochsommer vor: auf den freigegebenen Rasenflächen fläzt man sich je nach Fasson in der Sonne oder im Baumschatten, die Kinder toben auf den Spielplätzen oder Wiesen, man redet, isst, döst, führt oder trägt den Hund aus, unterhält sich, macht ein Nickerchen, rudert ein Boot, fotografiert (ganz besonders viele), malt, lässt sich kutschieren, musiziert oder hört Musikern zu. Ich habe eine schöne Combo gehört und mir eine CD von ihnen gekauft - Live waren "The Boyds & PraiseCompanie & Friends" allerdings viel, viel besser. Besonders die vier Sänger mit ihrem mehrstimmigen Gesang waren super.


Auf dem Weg zum Central Park geriet ich auf der Fifth Avenue in die Parade der südamerikanischen und hispanischen Gemeinden in New York. Die 4 Stunden-Parade habe ich mir allerdings erspart, nur eine knappe halbe Stunde habe ich mir das Spektakel angesehen und angehört. In den meisten der Paradewagen sorgte eine Batterie von Großboxen für wahre Stadionbeschallung ihrer Gesangsstars oder Folkloremusik in der Lautstärke eines Guns'N Roses-Konzerts (habe ich mir sagen lassen).
Was die Tänzer und Tänzerinnen in ihren teils sehr aufwendigen Kostümen an diesem wirklich heißen Sonntag geleistet haben, ist schon unglaublich. Ich weiß nicht, wie viele Kilometer getanzt, gehopst, gesungen, gesprungen oder auf High-Heels gestöckelt wurden.
Sunset and Manhattan
Den Sonnenuntergang am Sonntag habe ich knapp verpasst, dafür habe ich meinen Abendspaziergang über die Manhattanbridge für ein paar Skyline-Fotos genutzt. Immer wieder schön ...
Sunset and Wonder Wheel
Den anderen Sommertag habe ich größtenteils auf Coney Island am Strand (im Badeanzug!!!) verbracht. Dieses Mal blieb ich bis zum Abend, um mir einmal den "Luna Park" bei Nacht anzusehen. Leider ist die Holzachterbahn nicht (mehr?) in Betrieb und das "Wonder Wheel" kein richiger Ersatz. Da hängen die Kabinen allerdings nicht einfach nur am Riesenrad, nein, die rutschen je nach Drehbewegung des Rades nach aussen zum Rand (!) oder nach innen (!) - der wahre Horror für Höhenängstliche! Am Wegesrand ... zufällig gefunden
An einem der letzten Freitage bin ich auf der Suche nach einem Schneider (es ist ja wie verhext: braucht man einen, ist keiner weit und breit. Sucht man aber keinen, ist fast an jeder Ecke einer!) in der Eldridge Street förmlich über die Synagoge gestolpert. Die Türen standen einladend offen und ich nahm die Einladung an. Es fand gerade ein Gottesdienst statt und ein Junge verwies mich freundlich aber bestimmt auf die Empore zu den anderen Frauen. Von dort hatte ich freien Blick auf das Gebet der Männer und auf das bestimmt schönste Fenster, dass ich in einem Sakralbau gesehen habe. Ich nahm mir vor, das nächste Mal mit Kamera zu kommen. Habe ich dann auch:Die Synagoge ist auch ein Museum, das in einer schönen kleinen und interaktiven Ausstellung viel über das jüdische Leben in der Lower East Side und speziell in der Gegend um die Eldridge Street zeigt. Für 10 Dollar führt Naomi durch das Gebäude und erzählt mehr über die Geschichte dieser Synagoge.
Über 25 Jahre wurde der Hauptraum (Sanctuary) der Synagoge nicht genutzt und verfiel. Erst in den 1980er Jahren wurde die Synagoge renoviert und vor ein paar Jahren wieder eröffnet. Obwohl es eine konservative, orthodoxe Gemeinde ist, wurde Kiki Smith mit der Gestaltung des großen Fensters in der Ostwand der Synagoge beauftragt. Ist das nicht schön?
Sehr gut für mich war die Teilnahme des russisch-amerikanischen Ehepaares an Naomis Führung - wegen der freundlichen Übersetzungen und ergänzenden Erklärungen zu ihren Ausführungen. Mit eineinhalb Stunden reger und ausdauernder Befragung und Diskussion haben wir die vielleicht 75-jährige Naomi auch ein wenig überfordert.
Und sonst noch: Demo, Lesung, Livemusik und - Hotdog
Bei den Wall-Street Demonstranten war ich kurz nach der Eskalation auf der Brooklyn Bridge und traf Miles. Wir haben uns lange über die Gründe unterhalten, die ihn, einen "ganz normalen" Mittelschicht-Familienvater auf die Straße bringen. Er hat wie viele der Demonstranten die Nase voll von den Ungereimtheiten der amerikanischen Politik - zum Beispiel, dass immense Summen für Rüstung und "Verteidigung" bereitgestellt werden, das Bildungssystem aber komplett untergeht. Und nur einige wenige profitieren. Das gibt mir den Glauben an so etwas wie den kritischen Amerikaner wieder. Übrigens war das Erschütternde für die Leute hier das Nachrichtenfoto der weißen Frau, die von der Polizei mit Pfefferspray "außer Gefecht" gesetzt wurde. Das passiert sonst nur Afro-Amerikanern oder Latinos.
Neue Bekanntschaften:
Lesung von Dael Orlandersmith in der Atlantic Theater Company. "Suicide Girlz" (kein Schreibfehler) ist das neue Stück von Dael, einer engagierten Dramaturgin und Autorin (die einmal beinahe den Pullitzerpreis bekommen hat). Ein sehr bewegendes Stück über drei verschiedene Frauenschicksale, deren Gemeinsamkeiten erst langsam erkennbar werden - ganz hervorragend gelesen von Dael und zwei Schauspielerinnen.
Butterflies ... , Jazzband im "Shrine" in Harlem. Toni, Toms Neffe, spielt mit Musikern, die er in der Subway, im Park oder sonstwo gehört hat und zusammengebracht hat. Hinterher mit der gesamten Band noch auf ein Bier zusammengesessen.
Ohne Foto: Mein erster Hotdog (mein Weighwatcher Coach würde die Hände über'm Kopf zusammenschlagen). Es ist soooo schwer, den kulinarischen Verlockungen nicht zu unterliegen. Schon morgens beim Tai-Chi wabert der appetitanregende Geruch von gebratenem Speck und Eiern um mich herum. Ich halte mich aber ganz gut, denke ich. Ich esse so gut wie immer mein Müsli mit Obst und koche meistens sogar selbst ...










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